Ein Pamphlet gegen populistisches Rosinenpicken

von Nino Zebiri

Als es amtlich wurde, hatte selbst Bundespräsident Didier Burkhalter Schwierigkeiten die Lage in Worte zu fassen. Das weltoffene Schweizer Volk hatte sich zuvor für die Einführung von Zuwandererquoten ausgesprochen und nach der Abstimmung für ein strengeres Asylverfahren wieder einmal gezeigt, was es von Einwanderern hält. Dabei wurde erst kürzlich der russische Milliardär und Steuerhinterzieher Michail Chodorkowski medienwirksam mit offenen Armen aufgenommen. So entsteht der Eindruck, dass ein ganz anderer Faktor entscheidend ist, um weiterhin in der Schweiz willkommen zu sein: Geld. Im Gegensatz zum zukünftig limitierten Personentransfer soll der Geldtransfer übrigens nach wie vor frei sein. So wird ein systematisches Rosinenpicken betrieben. Man kann jedoch nicht das Eine wollen (ausländisches Geld) und sich dem Anderen (die Personen dahinter) verweigern. Am Ende könnten Zuwandererquoten gar durch eine Bewertung des Humankapitals bestimmt werden. Oder ist es vorstellbar, man verweigere in Zukunft einem Ölmilliardär aus Katar die Zuwanderung, wenn er die Quote überschreitet?

Trotz eines Ausländeranteils von 24% und 40% in den Kantonen Zürich und Genf, waren es Kantone wie Appenzell und Uri, die eher mit einem hohen Anteil an Kühen von sich reden machen, wo die Angst vor Überfremdung am größten ist und die, durch das gleiche Stimmgewicht der Kantone, das Ergebnis maßgeblich beeinflussten. Auch wenn die Schweizer Wirtschaft stark von Ausländern abhängt, besteht die Angst, dass günstigere Arbeiter aus dem Ausland (insbesondere der EU) Schweizern die Arbeit in ihrem Kanton wegnehmen. Hierbei sei erwähnt, dass die Idee der (auch in der Schweiz praktizierten) Marktwirtschaft vom Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf diesem Prinzip beruht. Aufgrund solcher irrationalen Entscheidungen durch das Volk, muss man gar das System der direkten Demokratie in Frage stellen. Wie wäre wohl eine solche Volksabstimmung in Deutschland hinsichtlich der Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren ausgegangen?

Wann verstehen wir endlich, dass wir in einer zunehmend globalisierten Welt leben, die von jedem von uns Mobilität verlangt und dass dieser Prozess der Globalisierung unumkehrbar ist? Staaten, die sich ihr verschließen, droht Isolation und wirtschaftlicher Schaden (EU-Sanktionen gegen die Schweiz).

Sehen wir Zuwanderung doch als Chance an, als einmalige Möglichkeit das Wachstumspotential der Wirtschaft voll auszuschöpfen und kommen wir endlich weg vom Schubladendenken guter Einwanderer – schlechter Einwanderer. Ist ein Ingenieur aus Dänemark mehr wert als eine Putzfrau aus Rumänien? Wer ist Inländer, wer ist Ausländer? Zählt der Geburtsort oder die Herkunft? Es wird zu subjektiv entschieden, stark beeinflusst von populistischen Medien und unbegründeten Ängsten gegenüber Fremden. Dabei sollte jeder Mensch die Chance haben sich in einem Land zu integrieren, wo immer es ihm beliebt. Hören wir endlich auf nur die Rosinen zu picken und machen wir aus der Chance, die sich daraus ergibt, eine perfekte Rosinen-Mandel Mischung.

Bildrechte: World Economic Forum

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