Muss für Freiheit mit Freiheit bezahlt werden?

Richard Herzinger, politischer Redakteur für die Welt, warnte kürzlich auf seinem Blog vor dem Heroisieren Edward Snowdens.

Der teils recht aggressive Unterton sowie die mehr oder weniger subtile Art, Snowdens Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, haben mich etwas verwundert. Andererseits… Springer.

Jedem deutschen Politiker […] muss klar sein, dass Wladimir Putin und seine Agenten über das Enthüllungsmaterial […] genau im Bilde sind und es bestens für ihre Zwecke zu nutzen verstehen.

Man mag es für naiv halten, aber ich denke nicht, dass der russische Geheimdienst vollen Umfang auf die von Snowden gesicherten Dokumente hat. Ich denke eher, dass Snowden den größten Anteil bisher für sich behalten hat, bzw. niemand außer Glenn Greenwald und Laura Poitras stärker eingeweiht sind. Das ist natürlich eine bloße Spekulation meinerseits – genauso wie sich Herzingers Aussage auch nicht mit Fakten untermauern lässt. Daher stellt sich hier auch die Frage: Ist das überhaupt von Bedeutung? Allein die Entwicklung, dass Snowden nun im russischen Asyl lebt, ist für Putin ein Triumph und womöglich mehr wert, als ein detaillierter Einblick in die NSA-Methoden. Zumal Herzinger ja auch selbst anmerkt:

Zu den gespenstischen Aspekten der aktuellen Debatte gehört es, dass […] die Spionagetätigkeit demokratiefeindlicher Mächte wie Russland und China gegen unser Land jedoch so wenig zur Sprache kommt wie die Frage, ob wir dagegen ausreichend geschützt sind.

Soll Unrecht also durch anderweitiges noch größeres Unrecht gerechtfertigt werden?

Eine Massenüberwachung in der durch Snowden publik gemachten Form halte ich für eine Bedrohung (wie bereits dargelegt), da ist es beinahe schon egal, wer der genaue Urheber der Bedrohung ist.

Die Vergehen der NSA können die immensen Verdienste der Vereinigten Staaten um Freiheit und Wohlstand in Deutschland nicht auslöschen.

Da stimme ich Herzinger zu. Insofern finde ich auch die Zwickmühle, die Angela Merkel und die Bundesregierung nun dazu bewogen haben, Edward Snowdens Asylgesuch erneut zurückzuweisen und stattdessen auf eine Befragung in Moskau zu hoffen, durchaus nachvollziehbar.

Aber soll Deutschland den amerikanischen Beitrag zur Erlangung der Freiheit nun wirklich mit einem Freiheitsverlust bezahlen?

English abstract

A German journalist criticizes, that many people consider Edward Snowden as a hero. He claims, that Chinese or Russian spying should appear on the media agenda as well. And, in consequence of the Amerian contribution to end the Third Reich in Germany, the government should treat the transatlantic relationship carefully. Must freedom eventually be paid with freedom?

Bildrechte: PM Cheung

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3 Gedanken zu “Muss für Freiheit mit Freiheit bezahlt werden?

  1. Dass jemand wie Snowden „ausgerechnet“ nur im Staate des lupenreinen Demokraten Putins Asyl gewährt bekommt, ist für mich, als Staatsbürger eines westlichen Industriestasts, unerträglich!

    • Das Maß an Courage, das Snowden selbst an den Tag gelegt hat, ist offenbar unter den Regierungen selbst weniger verbreitet.

      • Die gespielte Empörung von Frau Merkel ist letztlich nur eine Show für die Medien. Deutschland wird trotz Bemühungen der 20%-Opposition keine Courage zeigen, das müssen leider andere Länder machen. Enzensberger verweist im aktuellen Spiegel ja auf Norwegen. Schon schade.Deutschland sollte sich in der Welt mehr für freiheitliche und demokratische Werte einsetzen und nicht nur nach wirtschaftlichen Interessen handeln. Wo sind eigentlich die Piraten, die das Thema Netzfreiheit einst auf ihre Flaggen stehen hatten? Wo ist eigentlich Bundespräsident Gauck, der mit seiner Biographie wie kaum ein zweiter für die Freiheit steht? Die Regierung wird jedenfalls alles Erdenkliche dafür tun, die Situation auch weiterhin herunterzuspielen.

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